Volle Transparenz

Hat die Bierindustrie etwas zu verbergen?

Als Konsument habe ich gerne volle Transparenz über die Produkte, die ich kaufe. Das gilt für Lebensmittel im Allgemeinen und aus persönlichen bzw. professionellen Gründen natürlich um so mehr für Bier. Insbesondere geht es mir darum zu verstehen, welche Inhalts- und Zusatzstoffe im Bier landen, aber auch wie das Bier konkret hergestellt wurde. Je nachdem welches Malz und welcher Hopfen verwendet wird, bei welchen Temperaturen das Bier gärt und ob/wie es gefiltert wird – all das hat einen wesentlichen Einfluss auf den Geschmack des fertigen Produkts.

Viele Brauer machen einen großen Hokuspokus um ihre Bierrezepturen und wahren diese als ihr großes Geheimnis, doch warum?

Mit geschultem Geschmacks- und Geruchssinn, Zugang zu dem richtigen analytischen Equipment und etwas Experimentierwillen lässt sich fast jedes Bierrezept reproduzieren. Gleichzeitig möchte ich behaupten, dass die Unterschiede zwischen vielen der Fernsehbiere in Bezug auf ihre Inhaltsstoffe nur marginal sind. Wer mir nicht glaubt, sollte einmal eine Blindverkostung der verschiedenen, großen Pils Biere machen – nur die wenigsten werden in der Lage sein wiederholt die Biere der jeweiligen Marke zuzuordnen. Wenn Biere gleich schmecken, ist es natürlich wichtig einen Unterschied zu suggerieren. Denn wenn es keinen Unterschied gibt, was würde die Kunden davon abhalten einfach das billigste Bier zu kaufen (was viele tun – das steht aber auf einem anderen Blatt). So macht es aus Sicht der Fernsehbiere also doch Sinn, ein Geheimnis um die Rezepturen zu machen um die eigene Marke zu schützen.

Doch es gibt noch andere Punkte die einen Brauer dazu bringen mögen Details zur Herstellung unter den Teppich zu kehren. Viele der Hilfsmittel die der heutigen industriellen Bierproduktion zugelassen sind (auch wenn ich damit nicht suggerieren will, dass alle sie anwenden) passen so gar nicht recht zum sauberen Bild des Reinheitsgebots. Dabei rede ich gar nicht vom Einsatz von Zuckerkulör oder Röstmalzbier, was in Deutschland zulässig ist, aber zumindest für den Konsumenten ersichtlich als Zutat deklariert werden muss. Es geht vielmehr um den Einsatz von „Schönungsmitteln“ wie Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP) oder Kieselgel die die Filtration erleichtern, damit ein 100% klares Endergebnis gesichert werden kann. Das mag zwar nicht ganz nach Reinheitsgebot klingen, ist in Deutschland aber nach dem Vorläufigen Biergesetz erlaubt:

Als Klärmittel für Würze und Bier dürfen nur solche Stoffe verwendet werden, die mechanisch oder adsorbierend wirken und bis auf gesundheitlich, geruchlich und geschmacklich unbedenkliche, technisch unvermeidbare Anteile wieder ausgeschieden werden.

Was „technisch unvermeidbar“ ist, sei dahin gestellt – als Konsument fände ich es jedoch von Vorteil wenn man mir den Einsatz solcher Stoffe transparent machen würde um eine informierte Entscheidung treffen zu können, ob ich das Produkt verzehren möchte oder nicht.

Warum Onkel einen anderen Weg geht

Statt uns zu verstecken, werden wir bei Onkel vollumfängliche Transparenz schaffen. Daher werden z.B. die Rezepte für all unsere Biere auf der Homepage veröffentlich werden. Wir werden darin sowohl die unmittelbaren Inhaltsstoffe als auch das Herstellungsverfahren offenlegen und ermöglichen es so jedem Einzelnen sich zu informieren, was genau in den Onkel Bieren enthalten ist. Ganz egal ob es dabei um bloße Neugier geht oder diätetische Anforderungen – jeder hat ein Recht zu wissen, was für Lebensmittel sie bzw. er konsumiert.

An dieser Stelle kann ich übrigens schon jetzt ausschließen, dass wir bei der Produktion unserer Biere PVPP oder ähnliche chemische Zusätze einsetzen werden. Wir werden aber stattdessen Früchte, Fruchtsäfte, Kaffee, Gewürze und viele andere Zutaten einsetzen – alles im Rahmen des Freiheitsgebots und mit dem Ziel unsere Biere noch geschmackvoller zu machen.

Hobbybrauer die Onkel’s Rezepte gerne aufgreifen und selber brauen wollen sind herzlich dazu eingeladen.  Alle Texte auf dieser Homepage inkl. der Rezepte stehen unter einer Creative Commons Lizenz und dürfen damit geteilt und weiterbearbeitet werden (sofern dies nicht kommerziell geschieht und Onkel als Urheber gekennzeichnet wird; die Details der Lizenz findet ihr hier). Wer Ideen für die Weiterentwicklung unser Biere oder neue Biere hat – immer her damit. Ich selbst habe einmal als Hobbybrauer angefangen und freue mich unglaublich auf den Dialog mit den wahren Enthusiasten für besseres Bier.

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