Quelle: Flickr QuinnDombrowski CC BY-SA 2.0

Warum ich meine Leidenschaft zum Beruf mache und Brauer werde

Ich braue Bier und das schon seit 13 Jahren. Während ich anfangs noch in meiner Küche gebraut habe tausche ich nach fast zwei Jahren Planung nun das Hobbyequipment gegen eine moderne Produktionsanlage. So wird in Zukunft aus meiner Leidenschaft mein Beruf und ich kann es gar nicht erwarten die ersten Flaschen in den Händen zu halten.

Lebensmittel sind schon immer meine Leidenschaft und so wäre ich vor langer Zeit beinahe einmal Koch geworden. Weil ich damals noch Angst hatte, meinem Instinkt zu folgen, bin ich den vermeintlich sicheren Weg in die Wirtschaft gegangen. Über das letzte Jahrzehnt habe ich die Bierindustrie im Aus- und Inland genau beobachtet und nun ist es endlich Zeit mich von meinem Beobachterposten an der Seitenlinie zu lösen und mich ins Spiel zu stürzen.

Bier ist ein fester Bestandteil der deutschen Kultur und dennoch haben mich in den letzten Jahren viele für verrückt erklärt, wenn ich von meinen Plänen erzählt habe. Wenn Deutsche an Bier und Brauereien denken, dann denken Sie häufig zuerst an das „Brauereisterben“, an den Preiswettkampf bzw. die Preisabsprachen der Brauereien und den stetig rückläufigen Bierkonsum in Deutschland. Es scheint ein wenig attraktiver Markt zu sein, ganz egal wie groß oder klein die Brauerei sein mag. Alle versuchen möglichst viel billiges Bier zu verkaufen – Qualität und Vielfalt bleiben dabei zumeist auf der Strecke.

Anstatt besseres Bier zu brauen nutzen die großen Brauereien die wildesten Assoziationen, um ihre Kunden über Fernsehwerbung zu erreichen. So steht Krombacher für den Klimaschutz (so wichtig dieser auch ist), Bitburger für die Fußball-WM (so sehr ich mich auch auf die WM freue) und Warsteiner für Base-jumping (Heißluftballons sind für die neue Zielgruppe scheinbar nicht mehr krass genug). Im echten Leben kann ich mich jedoch nicht erinnern, dass jemand einen Schluck dieser Fernsehbiere mit den Worten kommentiert hätte „Wow, ist das ein leckeres Bier“.

Jenseits des undifferenzierten Geschmacks der Fernsehbiere bleibt im deutschen Biermarkt zudem die Vielfalt auf der Strecke. Zwar gibt es in Deutschland knapp 1350 Brauereien die Tausende verschiedene Biere herstellen – die Anzahl der Biersorten ist dabei aber überschaubar. Die wenigsten Konsumenten kennen mehr als fünf oder zehn verschiedene Biersorten, dafür aber verschiedenste Biermixgetränke mit so klangvollen Namen wie „flavour iced blue“ oder „Level 7“ – wonach auch immer das schmecken soll. Die Bierindustrie in Deutschland hat es verschlafen Innovationswillen und Mut bei der Breite ihrer Bierauswahl zu zeigen und dem Biertrinker wieder Freude an ihrem Produkt zu vermitteln.

Genau an dieser Stelle möchte ich gerne einhaken und Produkte auf den Markt bringen die Qualität, Vielfalt und Innovation vereinen. Unter dem Namen „Onkel“ werden Biere entstehen, die mit Sicherheit nicht jedem schmecken. Wenn ich mich einfach am kleinsten gemeinsamen Nenner orientieren wollte, hätte ich mich um einen Job bei Krombacher beworben. Nein, ich werde Biere machen, die mir schmecken. Meine Biere werden für die Verrückten da draußen gebraut die meine Leidenschaft und meinen Geschmack teilen. Wer sich darauf einlässt etwas Neues zu entdecken, dem verspreche ich ein mit Herz und Leidenschaft produziertes Bier und einen 100%igen Fokus auf Qualität. Wer Lust und Freude an außergewöhnlichen, geschmackvollen, phantastischen, spannenden, interessanten Bieren hat, wird nach dem ersten Schluck hoffentlich sagen „Wow, ist das ein leckeres Bier“.

Natürlich bin ich nicht der Erste, der sich daran versucht den deutschen Biermarkt zum Besseren zu verändern. Es gibt viele Brauer, die in den letzten Jahren hochwertiges, spannendes Bier für den deutschen Markt produziert haben und es werden immer mehr. Ich werde hier jedoch ein Stück weit meinen eigenen Weg gehen. Was das genau bedeutet und welche Philosophie hinter den Onkel Bieren steckt, werde ich an dieser Stelle über die nächste Tage und Wochen darlegen. Ab Juni lasse ich mich dann auch gerne daran messen ob ich es geschafft habe zwei erste Biere zu kreieren, die meinem Anspruch nach Qualität, Authentizität und Transparenz (mehr zu allen Punkten später) gerecht werden.

In diesem Sinne Prost – auf besseres Bier!

2 Antworten
  1. Christoph Braun
    Christoph Braun says:

    Hi Philipp,

    großartige Idee. Ich habe dein Onkel Albert Bier schon mehrmals selbst verköstigt und auch einigen Freunden als Spezial-Düsseldorf-Bier mitgebracht. Der allgemeine Tenor (und natürlich auch meiner) war bisher immer: Tolles Bier!
    Ich freue mich schon auf deine nächste Kreation.

    LG
    Christoph

    Antworten
    • Christoph
      Christoph says:

      Hi Philipp,

      Ich habe gerade meine erste Flasche „Onkel Jupp“ geleert. Wieder eine tolle Kreation. Hätte ich nach „Onkel Albert“ einen Wunsch äußern dürfen, hätte ich mir ein Pale Ale wie dies gewünscht.
      Danke.

      Keep on brewing!

      Antworten

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